Freibad Heidesee - Sachsen-Anhalt
«Ohne Sonne fehlt der Seele was»
HALLE/SAALEKREIS/MZ. Wissenschaftler haben festgestellt: Bei schönem Wetter steigt die Unpünktlichkeit. So gesehen dürfte es derzeit kaum Verspätungen geben, denn der Mai - der doch eigentlich als Wonnemonat gilt - zeigt sich hartnäckig grau, trüb, regnerisch und kühl. Nun ja, das mit der Pünktlichkeit ist ein schwacher Trost, zugegeben.
Mein lieber Schwan, was für ein Wetter: Mathias Nobel kann im Heidebad derzeit mehr Fußball- und Tischtennis-Spieler begrüßen als Schwimmer. Ebenso wie die Ballsportangebote, wurde Sachsen-Anahlts größter Kletterwald im Heidebad von vielen Gästen besucht.

Drängender stellt sich zum Wetter die Frage: Ist das normal? "Zumindest nicht ungewöhnlich", sagt Jurik Müller vom Deutschen Wetterdienst. Zurückgeblieben sei die Natur in ihrer Entwicklung auch kaum, denn "es gab ja auch schon wärmere Tage". Etwas nachteilig hat sich laut Müller der Regen auf die Flug- und Bestäubungslust von Bienen und Hummeln ausgewirkt, was möglicherweise bei der Obsternte zu Buche schlagen könnte.
Vegetation hinkt hinterher
Landwirt Alfons-Josef Wolff aus Hohenthurm ist noch optimistisch. Die Vegetation hinke derzeit acht zwar bis zehn Tage hinterher - ein Grund zum Jammern sei das aber nicht. Nachteile gibt es aber doch: Aufgrund der Kälte kämen die Bauern derzeit mit nötigen Pflegemaßnahmen nicht nach. Ansonsten setzt Wolff auf die alte Bauernregel: "Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun' und Fass". Es geht ja auch viel kälter: Wetter-Experte Müller verweist aufs Jahr 1978: Am 11. Mai wurden in Halle morgens minus 1,5 Grad gemessen. Freilich: Auch hochsommerliche Werte gab's schon. 1969 zum Beispiel, da kletterte das Thermometer am 14. Mai auf 30 Grad.
Solche Temperaturen würde man im privat betriebenen Heidebad - dem einzigen Freibad, das schon seit Wochen geöffnet hat - natürlich begrüßen. Dennoch: So unterkühlt und trübe wie das Wetter, ist die Stimmung dort noch lange nicht. Badelustige hat es durchaus schon gegeben - allerdings nicht übermäßig viele. Doch das sieht Bad-Betreiber Mathias Nobel nicht tragisch. "Es kommen Spaziergänger zum Kaffeetrinken, Radfahrer, Leute, die Tischtennis, Volley- und Fußball spielen." Was die Badegäste angeht, hat er Überraschendes festgestellt: "Die am FKK-Strand sind am härtesten im Nehmen."
Freibäder vor Saisonstart?
Die drei Freibäder, die mittlerweile von städtischer in Regie in die der Stadtwerke übergegangen sind, haben im Moment noch geschlossen. Am Sonnabend soll die Saison an den Angerdorfer Teichen und im Salinebad starten, "allerdings nur, wenn das Wetter auch einige Badelustige erwarten lässt", sagt Stadtwerke-Sprecher Stefan Böttinger. Entschieden wird das erst am Freitag. Das Nordbad soll am Pfingstsonnabend öffnen.
Biergarten- und Eiscafé-Besitzer hoffen, dass zumindest der Himmelfahrtstag wieder wärmer wird. Harald Geilert, Chef von Knolls Hütte am Rand der Heide, tröstet sich damit, dass die Eisheiligen vor der Tür stehen, es "dürfe" also durchaus kalt sein. Einstweilen setzt er voll auf seine Stammkunden.
Giovanni dal Santo vom Eiscafé Rialto auf dem halleschen Markt ist derweil inzwischen ziemlich frustriert. "Schlechter kann es kaum noch werden." Zwar gibt es bei ihm auch Kuchen und wärmenden Kaffee, aber: "Ohne Sonne fehlt der Seele was." Bis sie wieder scheint, hilft der alte Psychologen-Trick: Tu dir was Gutes! Wie wär's mit einem Schokoladeneis?
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