Kletterwald im Heidebad

Unterrichtsstunden in 17 Meter Höhe

HALLE/MZ. Bei einem Blick nach oben kann dem Laien schon ein wenig mulmig werden: In einer Höhe bis zu 17 Meter werden an den Bäumen im Heidebad Nietleben die letzten Arbeiten vorgenommen. Plateaus werden gesichert, Drahtseile befestigt, Holzbalken verschraubt. 80 Plattformen und Elemente werden insgesamt montiert und ergeben schließlich acht verschiedene Parcours unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Am 1. Mai ist es soweit: Sachsen-Anhalts größter Kletterwald auf zweieinhalb Hektar wird eröffnet. Im idyllischen Heidebad in Halle können sich Besucher dann auch im Kletterwald die Zeit verteiben und anschließend gemütlich im Sandstrand entspannen.

 
Da oben, zwischen den Wipfeln der Bäume, soll man dann klettern? Ohne Netz und doppelten Boden, ohne fremde Hilfe? Doch Raimund Bechtloff, Geschäftsführer des Unternehmens "Schwindelfrei", kann beruhigen: "Geklettert wird zwar allein, aber natürlich lassen wir unsere Gäste nicht im Stich." Soll heißen, es gibt genügend Helfer, die die - übrigens zweifach an einem Karabinerhaken gesicherten - Kletterwilligen einweisen. Neben einem Einführungsparcours geben sie Verhaltensregeln und Tipps zum richtigen Klettern. Und falls einem Besucher in zwölf Meter Höhe die Furcht packt oder gar Schlimmeres, sind die Hochseilgarten-Trainer sofort zur Stelle.
 
Noch aber absolvieren die angehenden Kletterwald-Experten ein einwöchiges Training - nicht nur in luftiger Höhe. Vielmehr gehört zum Lehrgang, der von der International Adventure Park Association (IAPA) zertifiziert wird, neben der Vermittlung von Klettertechniken auch eine umfassende theoretische Schulung. Materialkunde gehört ebenso dazu wie Knoten lernen, Auf- und Abstiegstechniken und Krisenmanagement.
"Sportlich sollte man schon sein, doch das allein genügt nicht", sagt Ausbilder Bechtloff, der gerade mit Silvana Tornack und Maik Wuttich im Kletterwald das Abseilen geübt hat. Die 21-jährige Biologie-Studentin und der 28 Jahre alte Diplom-Soziologe klettern auch in ihrer Freizeit - wie die Mehrheit der 15 Teilnehmer, die zwischen 17 und 49 Jahre alt und Schüler, Student oder auch berufstätig sind.
 
Neben Technik werden vor allem pädagogische und psychologische Fähigkeiten verlangt. "Schließlich muss man die Ruhe bewahren und richtig entscheiden können, wenn einem Kletterer in großer Höhe übel wird und er gerettet werden muss", so Marlen Mrotzek. Die 28-Jährige begann im vergangenen Jahr mit Sportklettern, studiert ebenfalls Biologie und freut sich auf ihren Einsatz als Hochseilgarten-Trainerin. "Es ist anstrengend, macht aber total Spaß", meint auch der angehende Gymnastiklehrer Marouan Douai (26), der sein Hobby als Ausgleich zur Berufsausbildung betrachtet.
 
Standen bisher vor allem Theorie und Parcours-Übungen auf dem Ausbildungsplan der künftigen Hochseilgarten-Trainer, wird Bechtloff seine Schützlinge in den nächsten Tagen im Seil-Aufstieg fordern. Wenn die Kletter-Experten dann ihre Prüfung bestanden haben, steht einem Einsatz im Heidebad nichts mehr im Weg.
 
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Artikel erstellt am 07.06.2010, letzte Aktualisierung am 07.06.2010 um 18:30
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